Archiv: creativ verpacken aktuell

Mari Adam: Österliche Gestaltung

Nester, Küken und der Hase läuten beizeiten das Familienfest im Frühjahr ein.

Barbara Maria Adam bietet in ihrer Manufaktur Tee und Kaffee, Gewürze und Süßes an – alles hübsch und liebevoll verpackt. Und übers Jahr eilen ihre Gedanken immer wieder zu den besonderen Festtagen. Hier lässt sie sich gerne etwas Besonderes einfallen. Auf der Suche nach der richtigen Dekoration für Ostern fiel ihr das Wolkenschaf ins Auge, das jedoch in irgendeiner Datenbank wieder verschwand. „Ich habe dann aus der Erinnerung das Schaf kurzerhand nachgemalt. Es ist nicht ganz so perfekt geworden und deshalb habe ich es erst einmal an die Seite gelegt. Nach einigen Tagen fiel es mir wieder in die Hände und dann fand ich das Unperfekte irgendwie total niedlich“, beschreibt die Manufakturinhaberin ihr Engagement.
Doch allein sollte die wolkige krumme Liesel nicht bleiben, deswegen musste ein Partner her: Den dicken Paul gab es, wenn auch zu mager, in einer Bild-Datenbank. Er musste Gewicht zulegen, damit er mit Liesel gleichwertig aus dem Regal winkt. Beide zieren unter anderen die Teedosen. Und werden schon jetzt von den Kunden geliebt – was kann es Schöneres geben?

Elixr: Fokussiert auf Wesentliches

Start-ups und Manufakturen prägen den Markt mit eigenen Vorstellungen von ganzheitlicher Kosmetik.

Jenny und Dr. Philipp Rathgeber nennen ihr Kosmetikkonzept for Beauty + Mind. Das ermöglicht ihrem Unternehmen Elixr, auch Produkte nach Rezepturen anderer Kulturen in Deutschland herzustellen, wie Produkte für das ayurvedische Ölziehen für Mund- und Zahnhygiene.
„Der Markenname Elixr war mit seiner Bedeutung das Fundament für die Gestaltung. Die formale Ästhetik ist die Quintessenz und Fokussierung auf das Wesentliche. Durch die entstandene Reduktion der Marke und dazugehörigen Produkte bieten wir die Möglichkeit weitreichender Assoziationen. Dies findet sich nicht zuletzt im mittlerweile breiten Portfolio wieder, sondern auch in den unterschiedlichen, aber zugehörigen Bildwelten der verschiedenen Kanäle“, beschreibt die Münchner Agentur Mayolove das Designkonzept.
Die Etiketten druckte Etiketten Carini, die Flaschen stammen weitgehend von Stölzle Oberglas und die Verschlusskappen von A. Pohli.

Shanky’s Whip: Etikett erzählt Geschichten

Eine Rezeptur so zu entwickeln, dass eine neue Geschmacksrichtung entsteht, das ist Können.

„Shanky war immer einer, der sich dem Trend widersetzte. Er mochte die Idee und die Aromen von irischem Whiskey, aber die Schärfe des Alkohols im Abgang konnte er nicht leiden. Er mochte den Geschmack von Sahne, aber nicht die Textur. Und unbestreitbar: Er liebte Stout Bier und dessen tiefdunkle Farbe. Und so mixte er mit Shanky’s Whip kurzerhand die intensiven Aromen Irlands neu – eben auf seine ganz eigene Art“, so die Geschichte des Whiskeys.
Die auffallenden Vorder- und Rückenetiketten erzählen ihre eigene Story – inspiriert von alten Streichholzschachteln. Diese Art von Design fand man um die Jahrhundertwende in irischen Pubs auf Streichholzschachteln. Gestaltet wurden die Etiketten von Jenkins Studio, Reigate/Großbritannien, die Flasche mit der auffälligen Rückenprägung stellte Stoelzle her und die Etiketten druckte CCL in Irland.

 

Tartex: Farbenfrohe Auswahl

Als Urgestein der vegetarischen Brotaufstriche umgab die Marke lange Zeit der Geruch einer Traditionsmarke …
Seit dem Designrelaunch im Juli 2021 kommt die mittlerweile zur Allos Hof-Manufaktur gehörende Marke flott und lebensfroh daher. Big Fish, London/ Großbritannien, hat die Corporate Identity (CI) entwickelt.
Marketing Direktorin Sandra Spremberg beschreibt, den Weg, den die Marke gestalterisch genommen hat: „Unser Produktsortiment präsentiert sich seitdem in einer noch moderneren und ansprechenderen Verpackungsgestaltung, die auffällt und zum Zugreifen einlädt. Im Rahmen des Marken-Relaunchs, bei dem wir eine stärkere Verbindung zum Abendbrot zeigen wollten, wurde neben dem Packaging auch das Logo der Marke erneuert: Es verweist jetzt auf die Handmade-Kultur, unser rein pflanzliches Sortiment und die Liebe, die hinter unseren Produkten steckt. Auf den farbenfrohen Etiketten unserer Abendbrotaufstrichgläser visualisieren Abbildungen der leckeren Zutaten die jeweilige Geschmacksrichtung der einzelnen Sorten. Das Siegeletikett zur Frischegarantie zeigt den Aufstrich liebevoll angerichtet auf einem Stück Brot.“ Big Fish hatte für das im Juli 2021 bestehende Sortiment die Gesamtgestaltung entwickelt. Die Adaption der CI für die neue Range Saaten Zauber hat dann Jo Hartwig Grafik Design, Solingen, vorgenommen.
Die Siegeletiketten für die Gläser druckte FS-Etiketten, die Banderolen kommen vom Druckhaus Frankenbach. „Die Papier-Etiketten werden mit veganem und lösemittelfreiem Kleber angebracht und mit wasserbasierten Farben bedruckt, denn bei unseren Produkten soll alles, also auch die Verpackung, möglichst nachhaltig sein“, so Spremberg abschließend.

 

Coevo Toskana 2015: Sanduhr auf Etikett

Das toskanische Weingut Cecchi begann 2006 besondere Cuvee-Rotweine herzustellen.

Mit dem Cecchi Coevo IGT 2015 präsentiert das Weingut einen Rotwein, der aus den einzeln gekelterten Reben Sangiovese, Petit Verdot, Merlot und Cabernet Sauvignon besteht. Das Etikett 2015 zeigt eine Sanduhr, raffiniert durch den Namen des Weines in Versalien unterbrochen und das rote E als Taille und schmalste Stelle. Die Gestaltung der Agentur Doni & Associati, Florenz/Italien, lehnt sich an einen Gedanken von Augustinus an: Die Zeit als Erinnerung an die Tradition, als Referenz für die Gegenwart und als Wegweiser für die Zukunft, durch die ständige Suche, von Jahrgang zu Jahrgang, nach einem Produkt von höchster Qualität, immer zeitgemäß, angenehm und elegant. Diese Maxime spornt an und lässt kein Mittelmaß zu.
Die Etiketten wurden von Modulgraf in Italien gedruckt.

KPM Berlin: Zeitlos und minimalistisch

Wer jemals die Hallen der Porzellanfertigung bei KPM Berlin betreten hat, der weiß um die hohe Präzision, mit der dort gearbeitet wird. Dem entsprechend sind auch die Packungskonzepte, für die das Marketingteam verantwortlich zeichnet.

„Unser Packungskonzept transportiert Designsprache und Werte der KPM Berlin. Wir achten auf hohe Qualität, ein zeitlos-minimalistisches Design und die Möglichkeit der Wiederverwendung. Als Kontrast zum strahlenden Weiß unseres Porzellans sind unsere Geschenkkartons in einem KPM-typischen Grauton gestaltet. Jedes Stück wird bei uns am historischen Standort von Hand gepackt und kontrolliert – so ist jedes Geschenk ein von Hand gefertigtes, auf Wunsch individualisiertes und verpacktes Stück Berliner Design und ein wahres Unikat“, wie Marketingchef Jenja Carow unterstreicht.
Der Nachhaltigkeitsanspruch von KPM Berlin beginne bei den natürlichen Rohstoffen für die Porzellanherstellung und erstrecke sich über die Fertigungstechniken bis hin zum Packungskonzept. Das Konzept der Faltkartons entstand aus dem Anspruch heraus, eine Variante zu entwickeln, die im Logistik- und Lagerkontext besonders platzsparend ist. Zudem funktionierten einzelne Formate über die Nutzung eines individuellen Inlays für viele unterschiedliche Produkte. „Wir sind froh, mit den magnetischen Faltkartons eine Variante gefunden zu haben, die diese Ansprüche erfüllt“, so Carow weiter.

Die gezeigte Faltschachtel wurde in Zusammenarbeit mit IDP International Direct Packaging umgesetzt.

Naf Naf: Vielfalt der Andersartigkeit

Elegant, lebensbejahend und hochwertig so will die Eau de Parfum Kollektion Frauen begleiten.

Miss France 2018, Maëva Coucke, ist das Testimonial der Parfumkollektion Naf Naf, die für Frauen entwickelt wurde, „die sich in ihrer Haut wohlfühlen, zu sich stehen und Spaß haben“, kommuniziert die Marke. Ihr Universum und das Design wurden von Thierry de Baschmakoff und seinem Team, De Baschmakoff, Paris/Frankreich, geschaffen: “Das Design dieses einzigartigen, fein gearbeiteten Flacons entlehnt seine Codes der Haute Parfumerie. Der runde, mit sinnlichen Stacheln besetzte Flacon hat einen figurativen Deckel, der an einen Tautropfen erinnert, der auf der Wasseroberfläche explodiert“, erläutert de Baschmakoff. Gemeinsam mit Superga Beauty und ihrer Division Drim TimTM, die sich mit der Umsetzung von Ideen vom Branding bis zur Supply Chain beschäftigt, wurden die Verpackungen in Europa hergestellt und in Frankreich konfektioniert.
Die Flacons wurden Mattgold im Tampondruck dekoriert. Entsprechend sind die Kappen und Flaconhälse aus Polypropylen ebenfalls Mattgold eingefärbt. Die zu den Fläschchen farblich passenden Faltschachteln ziert eine leuchtende Heißfolienprägung in Mattgold. Abgefüllt wurden die Düfte bei BPS Fragrance, ebenfalls ein Unternehmen der Superga Beauty Gruppe.

Tiptoh: SIG unterstützt Start-up

Auch engagierte, kreative Ideen brauchen bisweilen Sparringpartner.

In einem Gemeinschaftsprojekt von Tiptoh, einem belgischen Start-up, Olympia Dairy, einem belgischen Molkereiunternehmen, und dem Verpackungs- und Maschinenhersteller SIG fand eine neue Produktrange von Erbsenprotein-Getränken den Weg in den Markt. SIG hatte den Kontakt zwischen Olympia Dairy und Tiptoh hergestellt. Das Start-up möchte seine Kunden motivieren, sich auf die Zehenspitzen zu stellen und so ihren ökologischen Fußabdruck auf einen Zehenabdruck zu reduzieren.
Passend zum Inhalt erhielten die Getränkekarton- Verpackungen ein modernes, auffallendes Design des belgischen Designers Broos Stoffels, Brüssel: „Das Logo ist eine Wort-Bild-Marke, bei der die Buchstaben der Marke eng übereinander gestapelt sind. Der Abdruck des Zehs spiegelt sich in dem mit einem Halbkreis gekrönten Buchstaben wider, der für die Hauptzutat Erbse steht. Die enge Stapelung von Schrift, Formen und Symbolen setzt sich in allen Anwendungen der Marke fort. Jede Sorte hat ihre eigene Farbe in Kombination mit Weiß. Die Sorte Original hat ein leuchtendes Gelb, das die gelbe Spalterbse als Kernprodukt widerspiegelt.“

dm réell’e: Moderner Look

Verpackungen für Haarcoloration und -tönung brauchen nicht nur bei der Gestaltung Fingerspitzengefühl.

Es ging um mehr als einen Relaunch für die Drogeriemarkt-Kette: Gleichzeitig wurde die neue Submarke Expert gelauncht. Bei dem Réell’e Relaunch ging es um „einen hellen, farbenfrohen Auftritt, der die Nahbarkeit und Freundlichkeit der Marke stärkt und sie moderner wirken lässt“, wie Cathrin Jo Ann Wind, Agenturchefin von Win Creating Images, Aachen, erläutert. Währenddessen wirke Réell’e Expert, das sich durch eine besonders schonende Wirkformel auszeichne, visuell reduzierter und lichtdurchflutet unter starker Präsenz des Models. Die Models wurden von Wind persönlich geshootet.

Maison Cailler: Jüngere Zielgruppen im Fokus

Attraktiv sein für jüngere Verbraucher ist ein großes Thema traditioneller Marken.

Die Weihnachtspralinen des Maison Cailler, das zu den beliebtesten Schokoladenmarken der Schweiz gehört, präsentieren sich mit einem verjüngten Markenauftritt. Seymourpowell, London/ Großbritannien, verpackte das neue Sortiment mit einem Konzept, das sich an jüngere Verbraucher richten und gleichzeitig das hochwertige Erscheinungsbild der Marke transportieren soll.
Unwillkürlich gehen die Gedanken in das Jahr 2006 zurück: Die damalige Generaldirektorin von Nestlé Schweiz – zu der die Marke bis heute gehört – Nelly Wenger, verordnete den Schokoladen von Maison Cailler eine Verjüngungskur und leitete einen totalen Relaunch ein. Für ein neues Packungskonzept beauftragte sie den Architekten Jean Nouvel. Das Ganze ging schief, weil die traditionellen Käufer die Marke in ihrem modernisierten Outfit nicht mehr erkannten. Es konnte nur noch zurückgerudert werden.
Seymourpowell geht anders an das Thema heran. Brand Creative Director Allison Spence erläutert ihren Bezug zur Marke: „Dieses neue Sortiment weckt weihnachtliche Fantasie und lässt staunen. Unser Ziel war es, einen spielerischen und verbindlichen Blick auf die Marke Cailler zu werfen, um die Vorfreude auf die Weihnachtszeit zu wecken.“ Mit einer Kombination aus verschiedenen Veredelungsmethoden ließ Seymourpowell Designs in Anlehnung an die Schweizer Landschaft entstehen. Die Pralinen sind in der Schweiz erhältlich.