Archiv: creativ verpacken aktuell

Beiersdorf: Neue Wege bei Tiegeln eingeschlagen

Die Forderung nach nachhaltigen Verpackungen führt oft zu Entwicklungen, die einen langen Atem und spezielle Kenntnisse brauchen.

Gemeinsam mit Sabic, einem saudi-arabischen Chemieunternehmen, hat Beiersdorf einen neuen Weg bei der Verpackung der Natural-Balance-Produkte beschritten. Beide Unternehmen entwickelten zusammen mit dem Verpackungshersteller Berry Global Tiegel aus Tallöl. Das sei, so Sabic, ein biobasiertes Polypropylen (PP). Tallöl fällt als Nebenprodukt bei der Zellstoffherstellung an.
Ab Juni 2021 kann der Verbraucher auf die neuen Tiegel im Handelsregal zugreifen. Für den Kosmetikhersteller kamen Materialien wie die Nahrungsmittel Zuckerrohr oder Mais nicht infrage. „Der Tiegel aus erneuerbarem PP ist weder optisch noch haptisch von der bisherigen Verpackung zu unterscheiden“, erklärte Hannah Rasel, Senior Packaging Specialist bei Beiersdorf. Und Isabel Hochgesand, Chief Procurement Officer von Beiersdorf, erläutert: „Wir steigen jetzt viel früher und tiefer in der Lieferkette ein und bauen dort neue Lieferantenbeziehungen auf.“ Gestaltet wurden die Verpackungen von Justblue.Design, Hamburg.

Staatskellerei Zürich: Neue Weinrange

Vielerorts setzen Weingüter auf eine Mischung ihrer Reben (Cuvée), doch auch sortenrein wird gerne getrunken.

Eine steigende Nachfrage nach sortenreinen regionalen Weinen hat die Staatskellerei Zürich motiviert, dem Markt ihre Rebenvielfalt in einer neuen Weinrange vorzustellen. Drei Kreationen der Traubensorten Sauvignon Blanc, Gamaret und Riesling fungieren jetzt unter dem Namen Sortenrein. Die Gestaltung der Etiketten lag bei der Designagentur Pikka, Zürich/Schweiz. Mit einem klaren Farbcode für jede Weinsorte, die sich auch in der Verschlusskappe zeigt, sind die Etiketten auf den ersten Blick dezent gestaltet. Auf den zweiten Blick erkennt der Betrachter für jede Rebsorte eine eigene Weinrebenillustration (hier: Riesling), die durch eine Glanzlackschicht auf einem matten Etikettenpapier hervorgehoben wird. Ansonsten spielt das schwarze Etikett mit dem jeweiligen Farbcode des Weines. Die metallisierten Farben lassen den Namen der Rebsorte am unteren Etikettenrand aufleuchten.

Rose Shot: Blüte in der Hauptrolle

Eine Begegnung von Auge und Nase …

Die zweite Duft-Trilogie der Sepia Collection des Pariser Olfactive Studio ist den Blüten gewidmet. Hier spielen Rose, Iris und Veilchen die Hauptrolle in den einzelnen Extraits de Parfum. Das Duftprojekt ist ein Zusammenspiel des Parfumeurs Dominique Ropion und des Fotografen Roberto Greco, der mit seinen Bildern sowohl den Duft inspiriert als ihn auch festhält. Beide zusammengebracht hat Céline Verleure, Geschäftsführerin von Olfactive Studio. Sie beschreibt das Packungskonzept: „Den Flacon umhüllt ein Mantel aus siena-farbenem Leder. Der Verschluss besticht durch einen kupferfarbenen Ockerton ebenso wie die Metallplatte, die unterhalb des Halses sitzt. Die Farbauswahl erinnert an die Sepiatöne alter Fotos, die wir als Erinnerungen schätzen. Das edle, weiche und warme Leder gibt einen ersten Hinweis auf die Art der Duftkomposition: kostbar, elegant und ein erlesenes Rohmaterial enthüllend, dessen Konzentration und Verarbeitung den Duft in die Klasse der Haute Parfumerie erheben.“ Für Flacon und Packungsdesign zeichnet inhouse-Designerin Camille Toupet verantwortlich. Umgesetzt wurde die Verpackung von Clothilde Maisonneuve von Madecos.

Hilcona: Design regt zum Ausprobieren an

Von Tradizionale zu Originale – um den Verbraucher mit noch mehr Qualität und Wertigkeit am PoS zu überzeugen.

Ein Upgrade der gefüllten Pastaspezialitäten von Hilcona soll beim Verbraucher ein Erlebnis wie handgemacht auslösen. Ein optimiertes Packungsdesign von Brandship, Hamburg, sowie eine entsprechende Kampagne begleiten die Pasta Originale. „Frische Zutatenabbildungen sowie ein Blick auf die cremige Füllung wecken Appetit und Kauflust, während die Packpapieranmutung für Authentizität, Nachhaltigkeit und Manufakturkunst steht. Dank eines großen Sichtfensters sehen Konsumenten bereits am PoS, was später auf die Teller kommt: hochwertige, fein bemehlte Pasta wie handgemacht“, ließ Hilcona verlautbaren. Auch die Verbraucher seien vom neuen Packungsdesign überzeugt. Ganze 77 Prozent bescheinigten der Pasta Originale einen qualitativ hochwertigen Markenauftritt, wie frisch zubereitet, und 76 Prozent rege das Design zum Ausprobieren an.

Pro Climate: Im Zeichen des Umweltschutzes

Wer Verbraucher zum umweltbewussten Handeln motivieren möchte, muss dazu Passendes anbieten.

Die Drogeriemärkte von DM haben das erkannt und in einem inhouse-Entwicklungsprozess ein neues Produktsortiment namens Pro Climate entwickelt, das sich auf den Verpackungen umweltneutral nennt. Es handelt sich um Körperpflegeprodukte, Wasch- und Reinigungsmittel sowie Hygieneartikel. Kerstin Erbe, verantwortliche Geschäftsführerin für das Produktmanagement, erläutert den Ansatz: „Die Umweltauswirkungen reduzieren wir in der Produktherstellung durch Optimierungen hinsichtlich der Prozesse, Inhaltsstoffe oder Verpackungen soweit wie möglich. Die verbleibenden, nicht vermeidbaren Umweltwirkungen aus der Produktion und Entsorgung der Produkte werden im Anschluss nachhaltig kompensiert.“
Gestalterisch wurde das Handelsunternehmen von Win Creating Images, Aachen, begleitet. Dabei habe die Übersetzung nachhaltiger Benefits auf das Packaging im Vordergrund gestanden, wie Win-Geschäftsführer Luc Bütz erläutert: Einfachheit, Unverwechselbarkeit und Verständlichkeit stellten die Hauptanforderung an das Design dar. „Das Ergebnis ist ein freundlicher, moderner Markenauftritt, der Lust auf die Produkte macht und Optimismus ausstrahlt. Ein klarer und strukturierter Aufbau vermittelt die Hauptbotschaft klar und transparent.“

St. Leonhards Quellen: Lebendiger Relaunch

Wie vielseitig Etiketten genutzt werden können, das zeigt ein Beispiel aus dem Bereich der Bio-Wässer.

Wie aus einem Guss reihen sich die verschiedenen Wässer der St. Leonhards Quellen im neuen Etikettendesign auf. Als lebendige Wässer, so der Claim, sind sie unterschiedlicher, natürlicher Herkunft. „Panta Rhei – alles ist im Fluss, im Prozess, in der Entwicklung. In diesem Sinne möchte sich St. Leonhards immer wieder für Neues öffnen”, erklärt Geschäftsführer Martin Abfalter den Hintergrund des Relaunchs. Bisher waren die Vorder-Etiketten rückseitig bereits mit positiven Botschaften versehen.
Carolin Dembski hat die Etiketten inhouse gestaltet. Die Grafikerin erläutert Hintergründe des Relaunchs: „Die Werte der St. Leonhards Quellen: Einfach. Herzlich. Lebendig. Vor allem wollte ich diese drei Aspekte mit in die Gestaltung einbeziehen. Einfach – Klarheit schaffen durch Reduktion. Herzlich – das alte bewahren. Und textlich auf den Rückenetiketten die Besonderheiten der Quellen hervorheben. Lebendig – Lebendigkeit der verschiedenen Farben sollten wieder mehr ins Auge fallen. Verschluss und Halbbogen strahlen in ihren kräftigen Farben. Zudem war von Anfang an der Gestaltung klar, dass ein klares, harmonisches Gesamtbild entstehen sollte.“

Charlotte Bonorden: Wohlfühldüfte

Japanische Meditations- und Entspannungskonzepte gewinnen hierzulande immer mehr an Bedeutung.

Das noch junge Berliner Label Charlotte Bonorden möchte mit Düften das persönliche Wohlbefinden steigern. Die Namensgeberin hatte die wohlfühlende Wirkung des Waldes für sich entdeckt. So entstand der Duft Shinrin Yoku, der für das Konzept des heilsamen Waldbadens steht. „Dieses Erlebnis haben wir auf der Verpackung durch Blätter, Zweige und Tropfen in einem zarten Grünton dargestellt“, erklärt Charlotte Bonorden. In ihrem Online-Shop gleichen Namens ist bereits der zweite Duft angekündigt: Ikigai, Geheimnis eines langen und glücklichen Lebens – verpackt in einem warmen Gelbton. Und auch ein dritter Duft ist in der Pipeline.
Gemeinsam mit der Designerin Katerina Karagianni, Athen/Griechenland, entstand das Packungsdesign. Remo Masala von Vision Alphabet, Berlin/München, entwickelte die Idee für das Logo.
Damit die Düfte auch unterwegs wirken können, lässt Bonorden spezielle Armbänder fertigen, in die dieser integriert werden kann.

Raumland: Zeit zur Reife

Gut Ding will Weil haben – das spielt vor allem bei Qualitätsprodukten eine Rolle.

Seit vier Jahrzehnten erzeugt das Familienunternehmen Raumland Sekt und steht hier in der handwerklichen Tradition. Vor einem Jahr wurde es als erster reiner Sekterzeuger Mitglied im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP). Hieraus erwuchs nicht nur ein neues Design für die erste VDP-Sekt-Prestige-Kollektion, sondern auch das Bekenntnis, zukünftig nur Sekte zu vermarkten, die mindestens 36 Monate reifen – manche gar über 120 Monate.
Im neuen Design, mit dem Ruska Martín Associates, Berlin, beauftragt wurde, soll sich die persönliche Geschichte des Sekthauses widerspiegeln. „Der Kreativprozess wurde für uns schnell zu einer Art Selbstfindungspfad“, erklärt Katharina Raumland, die mit ihrer Schwester Marie-Luise für die nächste Generation des Sekthauses steht. Die Kernelemente des neuen Designs seien ein Plaque de Muselet, wie sich der Champagnerverschluss nennt, sowie ein goldener Reiter. Letzterer stehe zum einen für die Familiengeschichte, zum anderen für den Pioniergeist der Familie.

Parfums de Nietzsche: Zwischen Duft und Musik

Die Sinne zu schärfen, kann ein Lebensziel sein. Mancher verfügt über zwei oder mehr ausgeprägte Sinne.

Jazzpianist und Duftexperte Laurent Assoulen beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dem Verbindenden zwischen der Komposition von Musik und der eines Parfums. In diesem Zusammenhang kam die Philosophie ins Spiel und Assoulen gründete das Dufthaus Parfums de Nietzsche in Paris. Nun ist der erste Duft auf den Markt gekommen: Surhomme, bei dem nichts dem Zufall überlassen wurde. Der geteilte Duft in zwei Flacons, eine Idee Assoulens, ebenso wie das gesamte Packungskonzept, wird gehalten durch ein N aus Stahl. Die Eau de Parfums können einzeln oder auch gemeinsam genutzt werden.

Paddies: Dip inklusive

Der kleine Snack zwischendurch sind beliebt …

Dem wollen Heidi Weiß und Camillo Wolff, die Gründer von Selectum, mit Paddies etwas Gesundes hinzufügen. Ein Käsedip, eine Karamellcreme oder salzige Erdnussbutter sind ummantelt von einer Reis-Kichererbsenhülle – glutenfrei und ohne Palmöl, wie Weiß und Wolff betonen. „Zum Verpackungskonzept haben wir uns folgendes überlegt: Das Logo mit dem Lächeln und der Zunge soll Spaß und Genuss widerspiegeln. Generell wollten wir etwas, das clean und nicht überladen ist, gleichzeitig jung und witzig. Am knallfarbenen oberen Teil der Verpackung erkennt man auf den ersten Blick die unterschiedlichen Sorten“, erklärt Weiß. Für das Packungsdesign zeichnet Goran Golik, Wien/Österreich, verantwortlich.