Archiv: Lesetipp

Entscheidungen auf dem Weg zum Bild

Zeichnen ist Freiheit. Entscheidungen als Wahlfreiheit? Tilo Schneider legt in seinem Buch nicht den Fokus auf eine Perfektion von Ergebnissen, sondern zeigt einen Weg auf, der zu gekonnter Lässigkeit beim Zeichnen führen kann. In seinen Seminaren hat der Kreative immer wieder erlebt, wie die Anspannung schwindet, wenn der Knoten des Perfektionismus gelöst wird. Es geht um die Freude am Zeichnen, die letztlich zur Entscheidung führt, welche Bildkomposition angestrebt wird. In seinem, im Verlag Hermann Schmidt erschienenen Buch gibt er Entscheidungshilfen an die Hand, die helfen, die Fülle an Möglichkeiten auf dem Weg zum eigenen Bild einzuschränken.
Die 216 Seiten sind voller Beispiele, Ratschläge und Erfahrungen – das Ergebnis aus Schneiders Seminaren und Exkursionen in Sachen Skizzieren und Zeichnen. Für ihn ist Zeichnen mehr als nur abbilden, denn: Die Zeichnenden führen Regie. Sie legen ihr Augenmerk auf das, was ihnen wichtig ist, entscheiden, was sie zu Papier bringen möchten.
Das Buch, gestaltet von Tabea Stach, erfreut bereits beim Durchblättern – so freundlich und schön ist die Gestaltung. Immer wieder bleibt das Auge irgendwo hängen oder die Betrachter lesen sich fest. Für 35 Euro ist das Buch ein Fundus gelungener Beispiele für alle, die skizzieren und zeichnen lernen oder ihre Fähigkeiten verbessern möchten.

The Artist’s Toolkit

Sie wissen um das Trio Ideen finden, Krisen meistern, Werke zeigen (so der Untertitel): Käthe Wenzel, Künstlerin und Professorin für Ästhetische Praxis an der Europa-Unversität Flensburg, und Nadja Driller, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ästhetische Wissenschaft und Praxis der Europa-Unversität Flensburg. Für den Haupt Verlag haben sie eine Werkzeugkiste zusammengepackt, die hilft, kreative Herausforderungen zu meistern. Dabei geht es vor allem darum, die persönlichen Arbeitsweisen zu entdecken und für sich einzusetzen. Das Motto „ohne Fehler keine neuen Lösungen“, hilft, entspannter an Aufgaben heranzugehen. Das 22-Wochen-Programm, das auf 192 Seiten entwickelt wird, führt zu kreativen Umsetzungen. Angefangen bei der Frage, in welcher Lebenssituation die Leser Ideen entwickeln, wird die sinnvolle Nutzung eines Skizzenbuchs erklärt, bevor die Übungen zu den kreativen Herausforderungen starten. „Im Mittelpunkt steht die Entwicklung einer individuellen Arbeitsweise, das Erkennen der eigenen kreativsten Momente und Orte sowie der Weg aus künstlerischen Krisen,“ heißt es in der Vorankündigung. Zusatzmaterial gibt es außerdem auf Käthe Wenzels und Nadja Drillers Kunst-Podcast. Für 36 Euro ein Mutmacher mit einem guten gefüllten Handwerkskasten.

Cezanne

Erstmals zeigt die Fondation Beyeler in Basel/ Schweiz in einer Einzelausstellung das Spätwerk des französischen Malers Paul Cezanne (1839 bis 1906). Damit würdigt sie nicht nur den Pionier der modernen Kunst – Pablo Picasso bezeichnete ihn als Vater von uns allen –, sondern auch einen zentralen Künstler ihrer Sammlung. Insgesamt werden 79 ausgesuchte Gemälde und Aquarelle gezeigt, die aus den Beständen der Fondation Beyeler sowie aus internationalen Sammlungen stammen.
Der Katalog bildet die Ausstellung ab: Portraits, Badende, Landschaften der Provence und die Montagne Sainte-Victoire – Cezannes Lieblingsberg, den er immer wieder aus neuer Perspektive malte. Ulf Küster, Kurator der Ausstellung und Herausgeber des 200-seitigen Katalogs, schreibt in seinem einführenden Text, Cezanne knüpfte mit seiner Arbeitsweise „an eine Kunst an, für die die Zentralperspektive noch keine Rolle spielte, wie etwa die Kunst des frühen Mittelalters.“ Der Kunsthistoriker Gottfried Boehm analysiert in seinem Essay das andere Sehen des Künstlers. Fabienne Ruppen, Assistenzkuratorin im Kupferstichkabinett am Kunstmuseum Basel, beleuchtet besondere Aspekte aus Cezannes Leben, und Louise Bannwarth, Assistenzkuratorin der Fondation Beyeler, widmet sich den Hintergründen der neun Portraits des Gärtners Vallier.
Ein weiterer Höhepunkt des bei Hatje Cantz erschienenen Katalogs ist die Lebensgeschichte des Künstlers in Form einer Graphic Novel. Ulf Küster hat sie mit der Illustratorin Sarah Weishaupt aus Basel umgesetzt.
Gestaltet wurde der Katalog von Mues Design, London / Großbritannien. Er ist wie ein Spaziergang durch das Spätwerks des Künstlers.
Die Ausstellung geht noch bis zum 25 Mai 2026. Für 58 Euro kann sie anhand des Katalogs nachvollzogen werden.

Bilder, die du knicken kannst

Manchmal will eine Zeichnung einfach nicht gelingen und landet – zerknüllt – im Papierkorb. Ein solches Szenario brachte die Grafikerin und Illustratorin Teelke Limbeck auf die Idee, daraus etwas zu machen. Spontan hatte sie verschiedene Vorstellungen angesichts der Struktur des Papiers: Es könnte Wasser oder Sandstrand, Schnee oder Bettwäsche sein. Limbeck begann zu experimentieren und ihr Knitterwerk mit anderen Techniken zu kombinieren. Es entstanden Kunstwerke, wie eine gemalte Tasse, aus der ein Heißgetränk dampft (passende Knitter) oder ein gezeichnetes Eichhörnchen, das einen durch Knitter erzeugten Stamm hoch klettert.
In der Einführung stellt die Autorin auf den insgesamt 96 Seiten verschiedene Techniken mit unterschiedlichen Papieren vor, zeigt zudem, wie ein passendes Licht- und Schattenspiel inszeniert werden kann. Die umgesetzten Beispiele begeistern und motivieren gleich loszulegen. Im Haupt Verlag ist das Buch erschienen und möchte für 19,90 Euro anderen Kreativen die Knittertechnik nahebringen.

Dein Advent – 24 Glücksmomente nur für dich

Jahr für Jahr freuen sich viele auf die Advents- und Weihnachtszeit: Wochen des Lichts, der Gemütlichkeit und des Innehaltens, der Heimlichkeiten und der Vorfreude. Doch im Alltag erleben die meisten Menschen die Zeit als hektisch und vollgestopft. Warum soll auch ein Leben, das aus vielen Aufgaben, Verpflichtungen und Verabredungen besteht, plötzlich ab dem ersten Dezember anders verlaufen?
Die Psychologin Tanja Köhler lädt in ihrem Buch zu täglichen Entspannungsmomenten ein: 24 Impulse vom ersten Dezember bis zu Heiligabend begleiten durch diese Zeit. Täglich gibt es eine Anregung, manchmal eine Frage oder kurze Geschichten – die helfen sollen, den Blick nach innen zu richten. Über manches können die Leser nachdenken oder sich einfach nur freuen. Die Texte sind bewusst kurz gehalten, damit sie in den einen freien Moment am Tag gut hineinpassen. Köhler möchte zum Gefühl der Vorfreude motivieren und dazu, Neues zu entdecken sowie sich selbst zu verzaubern. Für den Knesebeck Verlag hat sie das hübsch illustrierte, 144seitige Buch geschrieben. Für 20 Euro kann der Adventszeit mit mehr Leichtigkeit und Energie begegnet werden.

Van Gogh – Das Pop-up-Buch

Zu den Faszinationen für große und kleine Menschen gehören Pop-up-Bücher mit ihren – gefühlt – verspielten Auftritten. Der amerikanische Autor und Illustrator David A. Carter ist Spezialist für Bücher dieser Art. Für Prestel hat er die Bilderwelt des holländischen Malers und Zeichners Vincent van Gogh vorbereitet. Die fünf gezeigten Kunstwerke werden aus der 2D-Welt in eine 3D-Illusion gebracht, wodurch eine zusätzliche Tiefe entsteht.
Ein Klappboden für die Bilder ist zweifach genutzt: Einerseits wird fortlaufend das Leben des Künstlers beschrieben, andererseits gibt es Hintergrundinformationen zu den Bildern – Blühende Mandelzweige, Caféterrasse am Abend, Die Sternennacht, Das Schlafzimmer, Weizenfeld mit Zypressen.
Allein das Versetzen der Bilder in die Pop-up-Welt, was ihnen Tiefe und Mehrschichtigkeit verleiht, ist ein eigenes Kunstwerk. Das 12-seitige Buch nimmt für 26 Euro in die Welt von Vincent van Gogh mit.

Von Tür zu Tür – Wiener Geschichten

Unabhängig von Orten, Ländern, Zeitepochen, Kunststilen … können Türen Geschichten auf vielfältige Weise erzählen. Was haben sie nicht schon alles erlebt, wenn gesehen? Sie sind stumme Betrachter durch die Zeit.
Ganz normale Türen in Wien – vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert – haben die Autorin Gabriele Hasmann und die Fotografin Barbora Vavro Gruber in den Blick genommen. Manche chic, manche schon in die Jahre gekommen, öffnen sie sich für den Styria Verlag und berichten, wozu und für wen sich die Türen öffneten. Manches fand sich in Zeitungsnotizen. Prachtvolle schmiedeeiserne Arbeiten wechseln sich ab mit eher schlicht gehaltenen Holztüren. Weit verbreitete Jugendstilelemente unterschiedlicher Art zeigen die Vielfalt der Dekorationsmöglichkeiten. Neben menschlichen Schicksalen, wie Liebe, Freude oder Trauer, verbergen sich hinter den Türen auch Anekdoten. 208 Seiten – unterhaltsam und inspirierend gehalten: „Vom gotischen Türstock zum barocken Portal, vom träumerischen Jugendstil zu Shabby-Chic, von typischer Wiener Gründerzeit zum schlichten Design: So vielfältig und charakterstark wie die Türen und Tore Wiens sind auch die Bewohner, die hier ein- und ausgingen“, heißt es seitens des Verlags. Für 32 Euro ist es ein faszinierendes Bild einer vergangenen Epoche, die uns begleitet, solange Häuser und Türen an ihrem Platz bleiben.

Figur im Raum – entdecken und zeichnen

„Der Raum existiert nicht, man muss ihn schaffen“ – dieses Zitat von Alberto Giacometti könnte als Leitzitat für Peter Boerboom gelten, der in seinem Buch die vielseitigen Möglichkeiten aufzeigt, Figuren zeichnerisch im Raum zu positionieren. Zunächst muss die Umgebung entstehen, um die Figur zu ihr in Beziehung setzen. Dieses zeichnerisch zu entdecken, lohnt sich. Im Vorwort werden bereits einige motivierende Impulse gesetzt, unter anderem mit obigem Zitat.
Mit Zeichnungen, Fotos und Collagen zeigt Boerboom für den Haupt Verlag auf 176 Seiten, wie schnell skizziert oder gezielt platziert werden kann. Wie kann aus einem Klecks eine Gestalt werden? Wie setzt man Personen in Bezug zu einander? Wie lässt man sie mit der Umgebung (dem Raum) interagieren? Schweben, mit festem Stand, allein, zu zweit oder als Gruppe – erklärende Sätze oder kurze Texte inspirieren und lassen der Fantasie freien Lauf. Für 29,90 Euro können Figuren im Raum nicht nur im Kopf, sondern auch auf dem Papier entstehen.

Ausgezeichneter Wohnungsbau 2024

Wohnraum fehlt und der vorhandene ist oft teuer. Seit 2019 gibt es den Wettbewerb Ausgezeichneter Wohnungsbau. Dabei geht es um „intelligente Strategien zum Bau von Wohnhäusern …, die zugleich städtebauliche, ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigen,“ wie es Roland Pawlitschko formuliert, der gemeinsam mit Dr. Christine Lemaitre Autor des 376 Seiten starken Buches ist. Viele Projekte drehen sich um gemeinschaftliches Wohnen, sei es in einem Quartier mit entsprechender Infrastruktur oder in einem Studentenwohnheim. Neubau, Umbau oder Integration von Neuem in alte Gemäuer sind die Schwerpunktthemen. Vorgestellt werden im Rahmen der Wettbewerbsprämierung Wohnbauten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der erste Preis ging an das Quartier Rivus Vivere in Wien, das als Gesamtkonzept mit 296 Wohn und 12 Gewerbeeinheiten auch die Lebensqualität der umliegenden Wohnviertel erhöht haben soll. Insgesamt 43 Projekte des Wettbewerbs, die eine Anerkennung (sechs Projekte) oder Auszeichnung (36 Projekte) erhielten, werden in dem bei Callwey erschienenen Titel vorgestellt.
Das Buch zeigt, wo Architekturkonzepte heute stehen, und wie die Bauherren versuchen, die Bedürfnisse des Wohnungsmarktes zu erfüllen. Oder wie es Gerald Schnell vom Architekturbüro Ferranti Schnell in Frankfurt/Main formuliert: „Wir möchten Bauten entwickeln, die eine Verbindung mit ihrem Ort eingehen, gut altern und mit der Zeit immer besser werden. So entsteht echte Nachhaltigkeit.“ Für 98 Euro ein interessantes Kompendium über Gemeinschafts- und Quartierbauten – und darüber wie zeitgemäße Wohnkonzepte entwickelt werden.

 

Retail Design International Vol. 9

Text Die Themen Re-Use und Weiterbauen gewinnen auch in der Handelswelt an Bedeutung. Alte Gemäuer wieder zum Leben zu erwecken, reizt die Retail-Welt schon lange. Nicht immer ist der Bestand zu retten, doch leer stehende Kauf- und Parkhäuser motivieren, Raumkonzepte neu zu denken. Jons Messedat, Architekt, Hochschullehrer und Autor, stellt im aktuellen deutsch-englischen, bei Avedition erschienenen Jahrbuch vor allem Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum vor. China, Japan und Indien sind ebenfalls mit einzelnen Handelskonzepten vertreten. Im Fokus steht bei den vorgestellten 33 ausgesuchten Raumgestaltungen die Konzentration auf das Wesentliche. Alle auf den 200 Seiten vorgestellten Läden zeigen anhand einer umfangreichen Bebilderung, Umsetzungsideen und motivieren, sich damit zu beschäftigen. Für 69 Euro kann ein Blick in Räume geworfen werden, die sich für die Zukunft aufstellen wollen.